Artikel:MwSt. 2021:E-Commerce von außerhalb der EU

Verfasst von Bert Mastenbroek am

Artikel: Mehrwertsteuer 2021: E-Commerce-Warenlieferungen mit Ursprung außerhalb der EU

16. April 2019

Update 2021: Das Inkrafttreten der Regeln wurde derweil wegen der Corona-Krise auf den 1. Juli 2021 verschoben. Auch eine Änderung der Zollvorschriften hat zu einer Änderung der nachfolgend beschriebenen umsatzsteuerlichen Behandlung geführt. Dazu haben wir ein Update geschrieben, das Sie hier finden. BDO wird diese neuen Regeln demnächst in verschiedenen Webinaren und Workshops diskutieren.

Zum 1. Januar 2020 und 2021 werden sich die Mehrwertsteuervorschriften für den internationalen Handel in einigen wichtigen Punkten ändern. In diesem Artikel betrachten wir die neuen Mehrwertsteuervorschriften für den E-Commerce mit Waren, die von außerhalb der EU geliefert werden.

Aktuelle Mehrwertsteuervorschriften
Wenn Einzelpersonen Waren außerhalb der EU kaufen, müssen die Waren in die EU eingeführt werden. Dies kann im Namen des Lieferanten oder der Einzelperson erfolgen:

  • Import im Namen des Lieferanten. In diesem Fall muss der Lieferant die Einfuhrumsatzsteuer zahlen. Die Einfuhrumsatzsteuer kann über die Umsatzsteuererklärung abgezogen werden. Bleibt die Ware im Einfuhrland, besteht eine Nahversorgung im Einfuhrland. In diesem Land ist die Mehrwertsteuer fällig. Wenn die Ware in einen anderen EU-Mitgliedstaat als das Einfuhrland geht, handelt es sich um einen Fernabsatz innerhalb der EU, bei dem der Lieferant die Mehrwertsteuer im Ankunftsmitgliedstaat der Ware entrichten muss.
  • Import im Namen einer Privatperson. Die Lieferung an Privatpersonen wird in der EU nicht besteuert. Die Person muss dann die Einfuhrumsatzsteuer zahlen. Wenn ein Paket jedoch einen Wert von nicht mehr als 22 Euro hat, gibt es in den Niederlanden eine Befreiung von der Einfuhrumsatzsteuer. Dies gilt auch, wenn Pakete in einer Sendung gemeinsam beim Zoll gestellt werden und die Sendung insgesamt einen Wert von mehr als 22 Euro hat. Die Ausnahme gilt auch unter der Voraussetzung, dass jedes Paket separat an den Kunden in der EU adressiert wird.


Die Möglichkeit, als Privatperson von der Einfuhrbefreiung Gebrauch zu machen, wird natürlich vielfach genutzt. Pakete mit einem Wert von mehr als 22 Euro werden regelmäßig unterbewertet. Das bedeutet, dass auf dem Paket ein Wert von unter 22 Euro angegeben ist, während der Wert über 22 Euro liegt.


Änderungen bis 2021
Ab dem 1. Januar 2021 ändern sich die Mehrwertsteuervorschriften für den Fernabsatz mit Waren mit Ursprung außerhalb der EU in einigen wichtigen Punkten:

1. Die Einfuhrbefreiung für Kleinsendungen von 22 Euro entfällt. Daher ist bei jeder Einfuhr Mehrwertsteuer zu entrichten.
2. Ein Fernabsatz von Waren außerhalb der EU liegt vor, wenn die Waren in einen anderen EU-Mitgliedstaat als den EU-Bestimmungsstaat der Waren eingeführt werden. Dies gilt unabhängig davon, ob die Einzelperson oder der Lieferant importiert.
3. Der Lieferant kann ein One-Stop-Shop (OSS)-System zur Anmeldung des Fernabsatzes nutzen, wenn die hierfür festgelegten Bedingungen erfüllt sind. Eine der Bedingungen ist, dass die importierten Waren einen inneren Wert von nicht mehr als EUR 150 haben. Diese Deklaration wird als Import-OSS-Deklaration oder einfach I-OSS bezeichnet. Eine solche Erklärung ist nicht zwingend erforderlich. In diesem Fall wird die Umsatzsteuererklärung im eigenen Mitgliedstaat des Unternehmens (bei EU-Händlern) oder einem Mitgliedstaat seiner Wahl (bei Nicht-EU-Händlern) abgegeben. Der Mitgliedstaat, in dem die Erklärung abgegeben wird, leitet die Erklärung und die Mehrwertsteuer an den EU-Mitgliedstaat weiter, in dem die Mehrwertsteuer zu zahlen ist. Nutzt der Unternehmer die I-OSS-Erklärung, erhält er eine spezielle Umsatzsteuer-Identifikationsnummer.
4. Gibt der Lieferant bei der Einfuhr der Zollbehörde seine spezielle I-OSS-Umsatzsteuer-Identifikationsnummer an, erhält er eine Einfuhrbefreiung. Er ist somit nur für den Fernabsatz im Bestimmungsmitgliedstaat der EU umsatzsteuerpflichtig.
5. Es besteht auch die Möglichkeit, die Einfuhrumsatzsteuer monatlich statt immer zum Zeitpunkt der Einfuhr anzugeben. Dieses Programm richtet sich an Post- und Kurierunternehmen. Die Option gilt nur für Waren mit einem inneren Wert von nicht mehr als 150 EUR und wenn die Waren im Einfuhrmitgliedstaat der EU verbleiben.
6. Wird vom I-OSS oder der Sonderregelung der monatlichen Deklaration kein Gebrauch gemacht, ist die Mehrwertsteuer sofort bei der Einfuhr fällig. Die Möglichkeit, die Einfuhrumsatzsteuer in der regulären Umsatzsteuererklärung mittels einer Bewilligung nach Artikel 23 anzugeben, wird in den Niederlanden weiterhin bestehen.

Änderungen anhand eines fiktiven Beispiels
Die obigen Regeln möchten wir Ihnen anhand eines Beispiels erläutern. Angenommen, ein chinesischer Verkäufer von Handyhüllen bietet Privatpersonen in den Niederlanden, Deutschland und Frankreich diese Handyhüllen über einen Webshop an. Jedes Mal, wenn er genügend Handyhüllen verkauft hat, schickt er sie in einer Sammelsendung in die Niederlande, wo die Ware importiert wird. Jede Handyhülle hat einen Wert von 20 Euro.

Aus umsatzsteuerlicher Sicht lassen sich in diesem Beispiel zwei unterschiedliche steuerpflichtige Ereignisse unterscheiden:

  1. Der Import in die Niederlande.
  2. Die Lieferung an Privatpersonen.


Der chinesische Unternehmer hat nun zwei Möglichkeiten:

  • Geben Sie eine Erklärung über das I-OSS ab.
  • Eine Erklärung auf dem regulären Weg einreichen.


Entscheidet sich der chinesische Unternehmer für das I-OSS, ergeben sich folgende umsatzsteuerliche Konsequenzen:

  • Beim Import in die Niederlande gibt der chinesische Unternehmer seine I-OSS Umsatzsteuer-Identifikationsnummer an die niederländischen Zollbehörden weiter. Er muss keine Einfuhrumsatzsteuer deklarieren.
  • In seiner periodischen I-OSS-Rückmeldung weist der chinesische Unternehmer die niederländische Mehrwertsteuer für Lieferungen an niederländische Privatpersonen, die deutsche Mehrwertsteuer für Lieferungen an deutsche Privatpersonen und die französische Mehrwertsteuer für Lieferungen an französische Privatpersonen aus.


Entscheidet sich der chinesische Unternehmer nicht für das I-OSS und importiert im eigenen Namen, so ergeben sich umsatzsteuerliche Konsequenzen:

Beim Import in die Niederlande schuldet der chinesische Unternehmer die niederländische Einfuhrumsatzsteuer. Diese Einfuhrumsatzsteuer kann er in seiner niederländischen Umsatzsteuererklärung abziehen.
Lieferungen an niederländische Privatpersonen werden in den Niederlanden besteuert, daher wird der chinesische Lieferant in den Niederlanden eine Umsatzsteuererklärung abgeben. Lieferungen an Privatpersonen in Deutschland und Frankreich sind in Deutschland und Frankreich umsatzsteuerpflichtig. Auch in Deutschland und Frankreich muss der chinesische Lieferant regelmäßig Umsatzsteuererklärungen abgeben.

Da die Waren nicht im Einfuhrland verbleiben, ist es nicht selbstverständlich, dass von der Möglichkeit zur monatlichen Abgabe von Erklärungen Gebrauch gemacht wird.
Konsequenzen für die Praxis

Die neue Regelung schafft gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen Waren, die von außerhalb der EU geliefert werden, und Waren, die innerhalb der EU geliefert werden. Allerdings bleibt die Unterbewertung von Paketen lukrativ (es fällt dann weniger Mehrwertsteuer an) und die neuen Regeln bieten hierfür keine direkte Lösung.

Die umsatzsteuerlichen Regelungen sind kompliziert und die Konsequenzen müssen im Einzelfall geprüft werden und ob die Nutzung des I-OSS oder der monatlichen Rückgabemöglichkeit vorteilhaft ist. Von den neuen Regelungen sind nicht nur Lieferanten mit Sitz außerhalb der EU betroffen. Dies gilt auch für Lieferanten mit Sitz innerhalb der EU, wenn sich ihre Waren außerhalb der EU befinden oder sie eine Plattform besitzen, über die Warenlieferungen von außerhalb der EU ermöglicht werden. Auf die Mehrwertsteuerposition von Plattformen werden wir in Teil 6 eingehen.

Wenn Sie erwarten, mit diesen neuen Regelungen konfrontiert zu werden, ist es wichtig, Ihre Mehrwertsteuerposition rechtzeitig zu beurteilen. Dabei unterstützen wir Sie selbstverständlich gerne. Bitte wenden Sie sich an einen unserer Mehrwertsteuerberater. Neugierig auf die weiteren Gesetzesänderungen im internationalen Handelsverkehr Dann schauen Sie sich bitte die Teile 1, 2, 3, 4, 6 und 7 dieser Artikelserie an..

Im Dezember 2019 haben wir als Reaktion auf eine weitere Auslegung der Mehrwertsteuervorschriften für Fernverkäufe und bestimmte inländische Lieferungen eine Aktualisierung dieser Perspektive verfasst. Sie finden es hier. Auch diese Aktualisierung setzt ein Inkrafttreten der neuen Regeln am 1. Januar 2021 voraus. Daraus ist nun der 1. Juli 2021 geworden.

Quelle :https://www.bdo.nl/nl-nl/perspectieven/btw-2021-e-commerce-goederenleveringen-afkomstig-buiten-de-eu


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